Warum Priester?
Einige Aussagen von Priestern und Alumnen zu ihrer Sicht des Priesterberufs
Priester sein bedeutet für mich, das Echo des Gottesnamens „Ich bin der ich-bin-da“ zu sein. Dieses „Hier bin ich“ möchte ich verkörpern, z.B.
- wenn ich selbst Empfangender bleibe, etwa als Hörer des Wortes Gottes;
- wenn ich – als Sein Werkzeug – Gottes Liebe in der Feier der Sakramente vergegenwärtige;
- wenn ich über den eigenen Tellerrand hinausschaue und mich zum Anwalt und Hirten der Menschen mache, die am Rande der Gesellschaft stehen;
- wenn ich die Haupt- und Ehrenamtlichen und die Familien und Erzieher in ihrem Hirtendienst stärke und begleite;
- wenn ich mich den Fragen der Menschen öffne und versuche, die Suchenden und Zweifelnden, die Ratlosen und Verzweifelten zu Christus zu führen.
Das II. Vatikanische Konzil hat in LG Art. 10 Abs. 2 und LG Art. 18 Abs. 1 deutlich gemacht, was den Dienst des Priesters ausmacht: Er ist dazu berufen, alle übrigen Gläubigen zur Verwirklichung ihres eigenen, das heißt des gemeinsamen Priestertums zu befähigen, zu motivieren und anzuleiten. Es geht also um den Dienst am gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen. Dazu kann ich in meinem Beruf als Hochschullehrer in besonderer Weise beitragen.
Aloys Grillmeier kommentiert zu LG Art. 10 Abs. 2: „Erst das Zusammenwirken von besonderem und gemeinsamen Priestertum ergibt die volle priesterliche Wirklichkeit des Gottesvolkes.“ Die große Schwäche der Kirche besteht m.E. heutzutage nicht im Priestermangel, über den wir auf hohem Niveau jammern, sondern darin, dass das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen zu wenig gelebt, unterstützt und kultiviert wird. Da haben wir alle – Priester und Laien – noch viel aufzuholen.
Was Priester-Sein für mich bedeutet, finde ich sehr schön ausgedrückt im zweiten Hochgebet der Messe: „Wir danken dir, dass du uns berufen hast, vor dir zu stehen und dir zu dienen.“
Der Plural „Wir“ umfasst natürlich die ganze Gottesdienstgemeinde, aber als Priester bin ich in einer besonderen Weise Gott nahe und in seinem Dienst. Hier ist wichtig: Die Eucharistie als Zentrum der priesterlichen Identität, das Stundengebet und andere Formen des Betens und Meditierens, die eigentümliche Form des ehelosen Lebens als ganzheitlicher Ausdruck der Verfügbarkeit und der Hingabe.
Priester sein bedeutet für mich, den mir anvertrauten Menschen wie eine Kerze zu sein: Mich zu verzehren, um ihnen zu leuchten. Ich versuche für die Menschen da zu sein in Freud und Leid, Sorgen und Nöten, ich erzähle von der befreienden Botschaft Jesu und der Liebe Gottes, und ich versuche ein gutes Vorbild im Glauben zu sein, denn nur, was man selbst besitzt, kann man auch weitergeben. Mir ist dabei wichtig, immer wieder deutlich zu machen, dass Zentrum unseres Glaubens Jesus Christus ist, in der Botschaft des Evangeliums, in unseren Traditionen, im Lehramt, in Liturgie und Sakramenten, und vor allem in unser aller Leben als getaufte Christinnen und Christen.
Priester sein bedeutet für mich, dass Gott ins Spiel kommt … deshalb bin ich Priester geworden.
Gottes Wort, Jesus, hat Fleisch angenommen und diese Liebe muss verkündet werden.
Dies tue ich durch meinen Dienst als Priester, in den Gottesdiensten, in der Schule, in Gesprächen, im Alltag…,
denn Gottes Wort wird lebendig auch durch dich und mich
Priester sein bedeutet für mich jeden Tag neu Ja zu sagen zu meiner Berufung. Jesus Christus zu den Menschen zu bringen und mit dem Blick Jesu meine täglichen Aufgaben anzugehen – das sehe ich als meinen Auftrag. Das bedeutet für mich aber auch, mich mit Jesus Christus immer wieder zu verbinden im Gebet und in der Feier der Hl. Messe, damit ich daraus Kraft schöpfen kann für meinen Auftrag an den Menschen.
Priester sein bedeutet für mich, die Menschen in verschiedenen Situationen und Lebenslagen – also von der Taufe bis zur Beerdigung – zu begleiten und ihnen zur Seite zu stehen. Dabei ist der Priester nicht derjenige, der alle möglichen Antworten parat hat, sondern letztlich bleibt auch er immer ein Fragender und ein Gott-Sucher.
Mir ist im Laufe meiner Jugend klar geworden, dass dieser erste Platz in meinem Herzen Gott gehört. Ihm will ich mein Leben zur Verfügung stellen – für ihn will ich Werkzeug sein, damit die Menschen ihn erkennen und lieben können.
Priester sein bedeutet für mich ohne Arbeitszeiten und Sperrstunden für die Menschen da zu sein. Ihnen in den Sakramenten die Nähe und Barmherzigkeit Gottes erfahrbar werden zu lassen und so dem Himmel ein Stück näher zu kommen. Es ist aber auch eine Verantwortung und ein Auftrag, der mich oft erschrecken lässt, dass gerade ich es bin, der diese große Aufgabe erfüllen darf.
Ich empfinde die Berufung zum Priester und die empfangene Weihe als Geschenk. Ich habe den Ruf Gottes gespürt und ich habe darauf geantwortet – mit meiner Antwort: „Hier bin ich!“ und mit meinem Leben als Priester.
